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Über Gewicht und Abnehmen
Merkwürdiges und Bemerkenswertes

Die Vorweihnachtszeit – gewichtstechnisch betrachtet

in Bemerkenswertes

Die Tage werden kürzer, draußen ist es herbstlich und eher kühl. Von Winter kann allerdings keine Rede sein. Besonders weihnachtlich ist es schon garnicht. Das ändert sich, sobald man ein Geschäft betritt. Marzipan, Lebkuchen und Spekulatius versperren den Weg, türmen sich zu riesigen Haufen. Schokoladenweihnachtsmänner stehen in langen Reihen, verbreiten die Botschaft, dass es dringend Zeit ist, Vorräte anzulegen. Schließlich ist bald Weihnachten.

Wer die Botschaft vernimmt und entsprechend einkauft, wird bald feststellen, dass die Vorräte, obwohl eigentlich groß genug angelegt, nicht bis Weihnachten reichen werden. Bereits jetzt ist ein beachtlicher Schwund festzustellen. Es muss also nachgekauft werden. Das freut die Händler, die genau deshalb jetzt schon die Regale gefüllt haben. Weniger erfreulich sind die Auswirkungen auf den Körperumfang und die Anzeige der Waage.

Im Grunde ist es nicht verwunderlich. Wer mit den weihnachtlichen Naschereien im Oktober oder vielleicht sogar schon im September beginnt, wird es kaum schaffen, bis Weihnachten sein Gewicht zu halten. Dabei ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, sich auch mal was Süßes, gerne auch in der weihnachtlichen Variante, zu gönnen. Wenn allerdings fast ein Vierteljahr lang der Ausnahmezustand herrscht, dann braucht man sich nicht zu wundern.

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Das war nicht immer so. Vor noch garnicht so langer Zeit begann die Vorweihnachtszeit, der Advent, mit dem Dezember. Vorher war Herbst, da ging es um andere Dinge. Und auch der Advent ist noch nicht immer eine Zeit des fortwährenden Naschens. Es war mal eine Zeit der Vorfreude. Vorfreude auf die Genüsse, die am Weihnachtsabend auf einen warteten. Da war die Rede von leckeren Äpfeln und Nüssen. Während es heute ohne Zucker, ohne industriell hergestellte Süßwaren nicht mehr geht. Die dann über Wochen hinweg konsumiert werden müssen. Sonst droht der Verlust der Weihnachtsstimmung.

Es nervt

Wer es nicht schafft, der Werbung zu widerstehen, wer jetzt schon für Weihnachten einkauft, der wird sich wahrscheinlich im Januar wieder, wie jedes Jahr, in die lange Reihe derjenigen einreihen, die dringend mal wieder Gewicht loswerden müssen. Viel hat sich seit dem letzten Jahr ohnehin nicht geändert. Es wird eingekauft, es wird genascht, wie jedes Jahr. Und das schlechte Gewissen ist der ständige Begleiter, auch wie jedes Jahr.

Das Ganze nervt, was es aber nicht einfacher macht zu widerstehen. Vielleicht ist es ein erster Ansatz, das Ganze nicht so furchtbar ernst zu nehmen.

Was hilft

Was kann man also tun, um dieses Jahr nicht schon wieder in die gleiche Falle zu tappen? Wenn man sich klar macht, dass die Supermärkte ihre Waren nicht zufällig präsentieren, sondern eine genau ausgeklügelte Verkaufsstrategie verfolgen, dann ist es vielleicht schon einfacher, sich davon nicht manipulieren zu lassen. Schließlich kann und sollte man selbst entscheiden, was man kaufen möchte. Und diese Entscheidung nicht den Marketingstrategen der Konzerne überlassen.

Wer also merkt, dass er manipuliert werden soll, kann dem einfacher widerstehen. Dazu muss man die Strategien der Manipulation ein bisschen kennen. Es lohnt sich also, sich damit ein wenig zu befassen.

Als Gegenmittel helfen Einkaufszettel und Barzahlung. Den Einkauf planen, alles auflisten und die Liste mitnehmen. Manche Supermärkte hinterlegen die Anordnung ihrer Regale in Form einer Karte auf ihren Webseiten. Man kann also sogar seine Einkaufsliste entlang der Regale planen, so dass man nicht so oft hin und her zu laufen braucht. Denn je schneller man aus dem Laden wieder draußen ist, umso geringer ist das Risiko, dass man Dinge kauft, die man nicht kaufen wollte, die nicht auf dem Einkaufszettel stehen. Das oft erwähnte Einkaufserlebnis sollte man nicht auskosten, sondern als Marketingstrategie durchschauen.

Wenn man sich dann noch vorher ausrechnet, was der Einkauf kosten wird, und nur soviel Geld mitnimmt, dass der Einkauf auf der Liste bezahlt werden kann, erleichtert das die Entscheidung gegen die süßen Sachen nochmal. Dann kann man keinen Unsinn kaufen, über den man sich hinterher doch nur ärgert. Sinnvoll ausgestaltete Einkaufszettel haben auch die Nebenwirkung, dass man weniger oft einkaufen muss. Je seltener man in den Supermarkt geht, umso seltener setzt man sich den Versuchungen aus. Das ist hilfreich. Wenn man dann doch mal schwach wird, sind die Folgen weniger gravierend.

Früher war alles besser

Auch wenn früher natürlich nicht alles besser war, so war es doch der Umgang mit Weihnachten und der Vorweihnachtszeit. Es wäre dem Körpergewicht und sicher auch der Gesundheit förderlich, wenn man sich mal wieder darauf besinnen könnte, wie das früher so war. Dazu muss man keineswegs jahrhundertelang in die Vergangenheit schauen. Die Älteren kennen es noch. Die Vorweihnachtszeit begann am 1. Dezember. An dem Tag wurde das erste Türchen am Adventskalender geöffnet. Von den Kindern, die Erwachsenen konnten widerstehen. Jeden Tag gab es dieses winzige Stückchen Schokolade, nur an den Adventssonntagen war es etwas größer. Ansonsten wurde für Weihnachten gebacken, wurde Teig geknetet und wurden Kekse ausgestochen und liebevoll verziert. Vielleicht gab es sonntags schonmal ein paar Kekse, vielleicht wurden sie auch eisern aufgehoben. Man muss also garnicht ständig naschen. Die Vorbereitung, die Beschäftigung mit dem, was ansteht, was kommen wird, kann genauso schön sein. Vielleicht sogar schöner, weil man das schlechte Gewissen spart.

Wenn man sich also einen Plan macht, wie man die Advents- und Weihnachtszeit verbringen möchte, dann kann man sich schonmal drauf freuen, so wie sich die Kinder früher auf Weihnachten gefreut haben. Und dann kann man die Adventszeit damit verbringen, sich auf Weihnachten zu freuen. Man kann Pläne für ein opulentes Weihnachtsmenü machen, es sich immer wieder vorstellen, es umstellen, perfektionieren und in Gedanken schonmal riechen und schmecken. Vielleicht kann man, statt in Geschäfte zu rennen, basteln und backen. Selber machen macht nicht dick. Beim Selbermachen kann man sich mit den Leckereien, mit der Vorfreude beschäftigen, ohne die ganze Zeit essen oder naschen zu müssen. Ständig Süßes essen muss man dann also nicht. Dazu hat man garkeine Zeit.

Auf diese Weise kann man dann ruhig das Lieblingsessen einplanen, es darf auch ganz traditionell ein Gänsebraten sein. Einmal im Jahr genossen, macht der nicht dick. Ständiges Naschen über Monate hinweg dagegen schon.

Noch etwas war früher besser, es gab nicht so viele industriell hergestellte Süßigkeiten, auch nicht an Weihnachten. Es gab die oben erwähnten Äpfel und Nüsse, die ja sogar zu einer gesunden Ernährung dazu gehören. Warum nicht mal wieder so etwas genießen? Vielleicht in Form von Bratäpfeln, die vor dem Essen das ganze Haus mit weihnachtlichen Gerüchen durchziehen? Der Genuss ist vielleicht sogar größer, wenn man vorher darauf warten muss, dass sie endlich fertig gebacken sind. Und sie kommen nicht in einer Tüte, die Versuchung, diese Tüte leer essen zu müssen, entfällt also auch.

Genuss macht nicht dick

An Weihnachten selbst darf man auch mal so richtig schlemmen. Es macht nicht dick, wenn man mal etwas Kalorienreiches genießt, solange das auf besondere Gelegenheiten wie Weihnachten beschränkt bleibt. Man kann also nach Herzenslust sämtliche Kalorienbomben aneinanderreihen, die einem einfallen. Man kann und sollte sich die Zeit nehmen, um das gute Essen wirklich zu genießen.

Dieser Genuss hat eine entscheidende Nebenwirkung. Man erinnert sich hinterher daran, wie gut das Essen getan hat, wie gut es geschmeckt hat, wie schön alles war. Diese Erinnerung hilft dabei, der nächsten kalorienreichen Versuchung zu widerstehen, das (zu) gute, kalorienreiche Essen auf besondere Gelegenheiten zu beschränken. Zu denen man es sich dann ohne schlechtes Gewissen wieder gönnen darf. Mit vollem Genuss. Nach Weihnachten darf man also schonmal damit anfangen, sich auf Ostern zu freuen. Und kann dann in der Zwischenzeit eher bescheiden essen, ohne das Gefühl, verzichten zu müssen.

Industriell hergestellte Süßigkeiten

Ein großer Teil des Problems sind die industriell hergestellten Süßigkeiten. Die man eben jetzt schon kaufen kann, die über viele Wochen verlockend in den Auslagen liegen. Es lohnt sich, diese Produkte mal genauer zu betrachten. Anders als selbstgebackene Kekse oder Kuchen bestehen die Industrieprodukte zu einem großen Teil aus Glukosesirup. Beim selbst backen verwendet man gewöhnlich normalen Haushaltszucker, der süßer ist als Glukosesirup, aber genausoviele Kalorien hat. Die industriell hergestellten Produkte enthalten also in vielen Fällen bei gleicher Süße mehr Zucker, eben in Form des weniger süß schmeckenden Glukosesirups. Glukosesirup ist sehr billig, wird also schon deswegen in großer Menge verwendet.

Zucker ist also nicht besonders gut, aber Glukosesirup ist durchaus eine Steigerung. Die man durch Selbermachen vermeiden kann.

Daneben enthalten die meisten Süßigkeiten auch Fett. Das hat nicht nur viele Kalorien, da werden nicht nur häufig ungesunde Fette verwendet, die nur Kalorien und kaum oder keine essentiellen, gesunden Fettsäuren liefern. Das ganze Produkt ist auch eine exakt durchkomponierte Zucker-Fett-Mischung, die eine suchtähnliche Wirkung entfaltet. Man kann nicht so einfach aufhören, diese Sachen zu essen. Man unterliegt geradezu einem Zwang, die Packung leer zu essen. Und schon ist sie weg und man muss die nächste kaufen. Wer sich das klarmacht, kann vielleicht eher dahin kommen, selbst zu entscheiden, ob er die nächste Packung kaufen möchte.

Dick wird man zwischen Neujahr und Weihnachten

Es gibt einen Spruch, der besagt, dass man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr dick wird, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten. Eine kurze Zeit lang, von Weihnachten bis zum neuen Jahr, zu reichlich, zu kalorienreich zu essen, macht also nichts aus, wenn man die lange Zeit, die vom Jahresbeginn bis Weihnachten, Maß hält.

Wenn man also darüber nachdenkt, wie man es schaffen kann, schlank zu bleiben, oder zumindest nicht weiter zuzunehmen, dann sollte man nicht über die kurze Zeit zwischen den Jahren nachdenken, sondern darüber, wie man das ganze Jahr über essen und leben möchte.

Wer also das Jahr über Maß hält, also auch im Herbst, wer sich in Maßen etwas gönnt, aber im Allgemeinen zurückhaltend isst, der kann sich an Weihnachten durchaus etwas Außergewöhnliches gönnen, ohne dick zu werden. Genuss ist auch viel genussvoller, wenn er eben nicht alltäglich ist. Wer also Marzipan und Lebkuchen für Weihnachten aufhebt, statt sie schon im Oktober mit schlechtem Gewissen reinzuschieben, der kann mit allen Sinnen und mit gutem Gewissen genießen, hat also viel mehr davon.

Dann gibt es auch gewichtstechnisch kein Problem, dann kann man im neuen Jahr schlicht zum Alltag übergehen, muss keine Schadensbegrenzung betreiben.

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